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Mittwoch, 29. Juni. 2016 22:44 Alter: 3 Monat(e)

Die Autorin und ehemalige Bürgerrechtlerin Grit Poppe sowie die DDR-Zeitzeugin Kathrin Begoin zu Gast in der HHS

Von: Ilse El Badawi

Am 15.6.2016 las die Autorin Grit Poppe, die selbst in der DDR-Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt!“ engagiert war, vor 4 Klassen des Jahrgangs 10 aus ihrem Buch „Weggesperrt“ vor.
In ihrem Roman führt sie sorgfältig recherchierte Erzählungen vieler Zeitzeugen zusammen und ergänzt sie mit fiktiven Elementen zu einem stimmigen Bild der damaligen DDR vor der Wende. Grit Poppe veröffentlichte mehr als 15 Kinder- und Jugendbücher und erhielt für den Jugendroman „Weggesperrt“ den Gustav-Heinemann-Friedenspreis.

Noch drastischer als Grit Poppe vermochte die 1968 geborene Kathrin Begoin, die als Schülerin der 8. Klasse in dem Jugendwerkhof Torgau gegen den Willen ihrer Eltern gelandet war, die schrecklichen Zustände zu schildern. Sie erzählte von ihren jahrelangen schmerzlichen Erfahrungen, die sie in Torgau machen musste und die sie mit selbst komponierten Liedern eindrucksvoll untermalte.

Durch ihre eindrücklichen Schilderungen wurde den Schülern und Schülerinnen klar, wie traumatisiert die insgesamt 5.000 Jugendlichen waren, die in dieser und den anderen Anstalten festgehalten wurden, wie Menschenrechte als brutalste von grausamen Erziehern mit Füßen getreten, wie sie gequält und gedemütigt wurden. Das Buch und die Berichte der Zeitzeugin ergänzten sich mehrfach: Die 14-jährige Anna, die Hauptperson des Buches, kann man fast eins zu eins mit Kathrin Begoin gleichsetzen.

Aus den vielen Fragen der Schüler und Schülerinnen an die Zeitzeugin konnte man die Betroffenheit ablesen, welche die Schilderungen der Zeitzeugin bei ihnen ausgelöst hatte.
Vom Anfang bis zum Ende der Veranstaltung herrschte konzentrierte Aufmerksamkeit. Erschütterungen lösten die Berichte über die häufigen Demütigungen und Übergriffe durch Direktor und Erziehungspersonal aus sowie die Tatsache, dass die betroffenen Jugendlichen eine Schweigeverpflichtung unterschreiben mussten, die aber durch die Scham und die Traumatisierung der Betroffenen weit über die getroffene Vereinbarung hinausging - im Falle der Zeitzeugin über 14 Jahre.

Die Veranstaltung gewährte laut den Aussagen von Mohamed und Philipp (Klasse R10b) einen Einblick in ein dunkles Kapitel der DDR, der so intensiv im Unterricht nicht möglich gewesen wäre.

Möglich wurde dieser Zeitzeugen-Besuch durch den Verein "Gegen Vergessen - für Demokratie", der einen großen Teil der Kosten übernahm und den Kontakt herstellte.