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Donnerstag, 31. März. 2016 20:05 Alter: 4 Monat(e)

Der erste deutsch-israelische Austausch der Heinrich-Heine-Schule Dreieich

Von: Axel Städele

Nach 20 Jahren Städtepartnerschaft zwischen dem Kreis Offenbach und der Stadt Kiryat Ono östlich von Tel Aviv wurde in der vergangenen Woche erstmals auch ein Schüleraustausch zwischen beiden Partnergemeinden durchgeführt. Die Heinrich-Heine-Europaschule in Dreieich beherbergte in der vergangenen Woche eine israelische Delegation – 18  Schülerinnen und Schüler sowie zwei Lehrkräfte der Ben Zvi Junior Highschool.

Für dieses Novum im Kreis, das von Landrat Oliver Quilling und Kiryat Onos Bürgermeister Israel Gal direkt angeregt wurde, scheint die Heinrich-Heine-Schule wie prädestiniert, so kommt die auf internationale Arbeit spezialisierte Schule bereits auf ihre 15. überstaatliche Schulpartnerschaft. Schulleiterin Sigrid Harnischfeger sieht in der neuen Partnerschaft dennoch eine Eigenheit: „Der neue Kontakt zu Israel ist aufgrund der einzigartigen Geschichte und Beziehung beider Völker besonders wichtig und ermöglicht einen wichtigen Schritt zu gegenseitiger Freundschaft.“

Die israelische Schulleiterin Galit Levy und Englischlehrerin Miri Furman begleiteten die 14- bis 15-Jährigen bei der ersten internationalen Fahrt ihrer Schule. In dem von Deutsch-, Geschichte- und Ethiklehrer Axel Städele organisierten deutschen Team wurde dieser Besuch bereits seit Schuljahresbeginn im September vorbereitet. In den Familien wurden die Gäste herzlich aufgenommen. Auf beiden Seiten war man sich einig, dass die gemeinsame Vergangenheit beider Völker nicht im Vordergrund stehen sollte, sondern die gemeinsame Zukunft. Passend dazu wurde das Rahmenthema „Umwelt“ vereinbart, mit dem sich beide Seiten des Austausches in den vergangenen Monaten beschäftigten.

„Klimawandel“ und „Recycling“ waren hier die zentralen Punkte der Betrachtung und auch die Titel der beiden Workshops, die am 16. und 18.05. angeboten wurden. Während sich der Workshop „Klimawandel“, ausgehend von dem 2006 erschienenen Dokumentationsfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore mit den Ursachen und Hintergründen der globalen Erwärmung beschäftigte, näherte man sich im „Recycling“-Workshop künstlerisch dem Thema. So wurden aus recycelten Materialien Skulpturen gebaut, die sich mit freundschaftlichen Gesten gegenüber standen und dabei Deutschland und Israel symbolisierten. Auch Bürgermeister Dieter Zimmer überzeugte sich während der Woche von den Ergebnissen beider Workshops und hieß die Gäste in Dreieich offiziell willkommen. Für ihn sei es sehr wichtig, betonte er, dass eine Stadt wie Dreieich, in der Menschen aus 110 verschiedenen Nationen miteinander lebten, ein Ort des Friedens und der Freundschaft sei.

Außerschulische Lernorte standen ebenfalls auf dem Programm. Die Gruppe erkundete am 17.03. zuerst das Frankfurter Senckenberg-Museum, die Westend-Synagoge und den Main-Tower, später dann die Frankfurter Innenstadt. Dem Erlebnisbergwerk Merkers in der Rhön galt am 19.03. als abschließendem offiziellen Programmpunkt dann das Interesse. Unter der Woche öffnete die Heinrich-Heine-Schule zusätzlich abends ihre Türen, um mit Essen, Getränken und diskoähnlicher Tanzfläche den Schülern beider Länder Gelegenheit zum weiteren Kennenlernen und Feiern zu geben.

Jüdische, christliche und auch muslimische Jugendliche kamen in dieser Woche zusammen, um miteinander und voneinander zu lernen. Bei Eltern wie auch Schülern fiel das Fazit durchweg positiv aus. Man verstand sich mit einer Herzlichkeit, die nur bei wenigen Austauschen zuvor so erlebt wurde. "Die sind uns einfach viel ähnlicher als ich dachte," bemerkte eine Zehntklässlerin am Rande eines Ausflugs. An anderer Stelle sagte ein Neuntklässler: "Alle Sorgen über die Sicherheit oder wie man koscher kocht waren umsonst." Die dabei neu entstandenen Freundschaften können bereits Mitte Mai intensiviert werden, wenn die Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Heine-Schule zu Gast in Kiryat Ono sind.