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Donnerstag, 19. Februar. 2015 15:29 Alter: 5 Monat(e)

Heinrich-Heine-Schule organisiert die 1. Stolperstein-Verlegung in Sprendlingen

Von: Axel Städele

Am 8. Februar 2015 organisierten Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Heine-Schule die erste Stolperstein-Verlegung in Dreieich-Sprendlingen. Der international bekannte Künstler und Erfinder der Stolpersteine Gunter Demnig verlegt dabei kleine Betonsteine mit gravierten Messingplatten vor den letzten frei gewählten Wohnsitzen von deportierten oder ermordeten NS-Opfern.

Mit dem Projekt wollen sich die Schülerinnen und Schüler des WU-Kurses von Axel Städele am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten unter dem Motto „Anders sein – Außenseiter in der Geschichte“ beteiligen. Tatkräftige Unterstützung bekommen sie dabei von Katja Walters WU-Kurs "Schülerzeitung" und ihrer Geschichtsklasse R10a.

Zu Ehren der Familie Kaufmann, die bis 1938 in der Rathausstraße 8 in Sprendlingen wohnte, kamen unzählige Zuschauer dort zusammen. Die Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Heine-Schule trugen zuerst selbst erarbeitete Biografien der Kaufmanns vor und beschrieben das Schicksal der jüdischen Gemeinde in Sprendlingen, anschließend warben sie mit einer kurzen Inszenierung über die Auswirkung von Propaganda und Volksverhetzung für mehr Respekt und Toleranz in unserer heutigen Zeit.

„Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen wurde“, so Demnig nach der Verlegung. Die Stolpersteine seien natürlich keine Grabsteine, „vielmehr soll man beim Vorbeilaufen gedanklich stolpern, innehalten und sich dieses Schicksal vergegenwärtigen.“

Auch der anwesende Bürgermeister Dieter Zimmer zeigte sich begeistert von der Idee. „Diese Steine führen uns unsere Geschichte vor Augen und zwar eben nicht nur abstrakt. Sie wird dadurch in den Ort geholt, damit auch Jugendliche diese Gräueltaten nicht vergessen.“


Die Kurz-Geschichte der Familie Kaufmann
Leopold Kaufmann arbeitete viele Jahre als Religions- und Sprach-Lehrer in Sprendlingen und war mit der gleichaltrigen Hilda verheiratet. Gemeinsam hatte das Ehepaar drei leibliche Kinder und sie nahmen noch zusätzlich Pflegekinder in ihre Obhut. Nachdem der im Ort hoch angesehene Lehrer durch die Nationalsozialisten seine Lehrbefugnis entzogen bekam, brach für die Familie eine harte Zeit an. In der Hoffnung, ihre schwierige finan-zielle Situation könnte sich verbessern, zog die Familie am 1. August 1938 nach Frankfurt. Dies sollte jedoch nicht der Fall sein. Das Ehepaar wurde mit dem 3. Massentransport aus Frankfurt in den Osten nach Kaunas deportiert und dort am 25. November 1941 ermordet.