Sitemap | Kontakt | Impressum


 

 

 
 
Mittwoch, 19. November. 2014 10:43 Alter: 5 Monat(e)

NS-Gedenken durch Stolpersteine: Gunter Demnig im Interview mit Heinrich-Heine-Schülern

Von: Axel Städele

Im Rahmen des „Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten“ beschäftigen sich in diesem Jahr Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 und 10 unter der Betreuung von Herrn Städele mit dem Gedenken an Judenverfolgungen und den Holocaust. Dabei konzentrieren sie sich auf die künstlerische Form des Gedenkens durch Stolpersteine, initiiert durch den europaweit bekannten Künstler Gunter Demnig.

Der Erfinder der Stolpersteine erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen 49.000 Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas.

Um einen besseren Einblick in das Kunst- und Gedenkprojekt zu erhalten, wurde Gunter Demnig am 11. November 2014 an die Heinrich-Heine-Schule eingeladen, um über seine Arbeit zu sprechen und sich den Interviewfragen der Schüler zu stellen. Frau Walter, die dank ihrer Kontakte und Mitarbeit in dem Kunstprojekt das Treffen ermöglicht hatte, war mit ihrem Kurs für die Schülerzeitung ebenfalls anwesend.

„Sechs Millionen Menschen, vielleicht waren es sogar acht Millionen weitere Menschen, die den Nazis zum Opfer gefallen sind, bleiben im Geschichtsbuch eine sehr abstrakte Zahl“, so Demnig. „Aber die Familiengeschichten zu den Steinen, zu den Menschen, sind sehr real“, erklärte der Künstler weiter.

Auf die Frage hin, ob er aufgrund seiner Arbeit mit Anfeindungen und Angriffen leben müsse, zählte Demnig drei Morddrohungen auf, was aber auf 14 Jahre Projektlaufzeit gerechnet noch eine zu verkraftende Quote sei. Jedoch sind die Stolpersteine selbst immer wieder Ziele von Schändungen, wie vor zwei Jahren erst in Griesheim. Zwei Steine wurden dort aus dem Boden gerissen und ein Jahr später durch die Fensterscheiben einer Holocaust-Ausstellung in Seeheim-Jugenheim geworfen. „Insgesamt sind bei 49 000 verlegten Steinen rund 150 gewaltsam rausgerissen worden“, so Demnig.

Am 8. Februar 2015 ist Gunter Demnig wieder in Dreieich. Dann sollen in Sprendlingen Stolpersteine für die jüdischen Opfer verlegt werden.
Die Schüler des Geschichtskurses von Herrn Städele werden auch bei diesem Ereignis vor Ort sein, da sie sich an Recherchearbeiten über die Sprendlinger Opfer im Staatsarchiv Wiesbaden beteiligen.