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„Heute gehen wir ins Theater und dort wird etwas über Drogen erzählt“. So, oder so ähnlich dachten wohl viele Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 9 der Heinrich-Heine-Europaschule, als sie sich am 08.05.09 auf in das nur wenige Meter entfernte katholische Gemeindezentrum in Dreieich machten, wohin man „umziehen“ musste, weil in der eigenen Schule Renovierungsarbeiten eine Theateraufführung nicht zuließen.


So weit, so gut. Wie war das noch, da war die Rede von einer ganz bestimmten Theaterform, Improvisationstheater, so nennt das die Dame, die, schwarz gekleidet, kurz darstellt, was in den nächsten 90 Minuten aufgeführt werden soll. „Alles, was heute hier gespielt wird, ist eine Premiere“, sagt sie und „Wir wissen selbst überhaupt nicht, was auf uns zukommt“ und „wir sind darauf angewiesen, dass ihr uns Themen gebt, denn ohne eure Themen können wir nicht spielen.“


Und dann geht´s auch schon los.

Aus Impulsen aus dem Publikum entstehen spontane Szenen, die Schauspieler jonglieren mit den Vorgaben der SchülerInnen, variieren sie und haben sichtlich selbst Spaß, denn auch sie, deren Terminkalender verrät, dass sie sehr oft unterwegs sind, werden offenbar doch noch ab und zu von Einfällen überrascht und können sich ein Lachen nicht verkneifen.


Da ist z.B. Siggi, die mit Miriam aus dem Publikum nach draußen geschickt wird, weil sie den Begriff, der jetzt von dem Publikum gesucht und „gebastelt“ wird, nicht mitbekommen darf.


Als Siggi wieder herein und auf die Bühne kommt, werden ihr gewissermaßen ihre eigenen Arme „abgeschraubt“. Sie stellt jetzt eine Erfinderin dar, die ihre eigene Erfindung nicht kennt, sie aber mehr oder weniger erraten soll. Eine kleine Hilfe bekommt sie. Ihre eigenen Arme werden ersetzt durch fremde, die ihr durch eine hinter ihr stehende Kollegin „geliehen“ werden und die versuchen, ihr diese Erfindung (Marcels Idee der „Karaoke singenden Gabel“) irgendwie zu erklären.


Oder der „Dummschwätzer“. Eine Frau möchte einen Schirm kaufen, „Ein Schirm bitte, was kostet dies?“ „165, 95“ antwortet die nette Verkäuferin, was unsere Frau angesichts des horrenden Angebots in die Knie gehen lässt, während ihr Partner Horst unbeeindruckt und mit dem Kopf nickend meint: „Das ist billig, das ist richtig billig.“ „Finden Sie?“, fragt die ungläubige Verkäuferin nach, um dann den Preis für den gleichen Schirm auf „336,95“ zu erhöhen und je mehr Horst das „billig“ findet und seine Freundin damit zur Verzweiflung treibt („Horst, halt´s Maul, das verstehst du nicht“) umso unverschämter wird die Verkäuferin („425,95“)


Nachdem diese Szene in einem normalen, wenn auch stellenweise verzweifelten Ton gespielt wurde, so wird sie in einer Wiederholung nun „hasserfüllt“ präsentiert. Horst wird plötzlich zu einem unangenehmen „Macker“, der seiner „Regenschirmtussie“ lautstark weismachen will, dass „wenn ich sage, dass das billig ist, das auch billig ist.“ Dabei scheint er sie fast zu erwürgen.


Es gäbe noch vieles zu erzählen von diesem denkwürdigen Auftritt einer wunderbaren Theatergruppe, am Ende steht jedoch die Einladung an die SchülerInnen, sich in Kleingruppen mit den Schauspielern zurückziehen und Fragen stellen zu können. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass die Mitglieder von RequiSiT SchauspielerInnen mit z.T langjährigen Drogenkarrieren sind, die den SchülerInnen nun, nachdem sie sich durch das Theaterspielen einen emotionalen Zugang zu ihrem Publikum gebahnt haben, Rede und Antwort stehen.

Was in den einzelnen Gesprächsrunden thematisiert worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis, denn nicht ohne Grund finden diese Gespräche ausschließlich unter Schülern oder ausschließlich unter Lehrern statt.


Eine Reflexion im Unterricht hat jedoch ergeben, dass unsere SchülerInnen von diesen Gesprächen sehr beeindruckt waren. Authentischer können Informationen nicht vermittelt werden denn die SchauspielerInnen von RequiSiT stehen dafür, dass sie alle Fragen, die von den SchülerInnen gestellt werden, beantworten.

Nora Staeger, Siggi Großkurth, Lars Corsmeyer und Heinz Neffgen, vielen Dank für ein denkwürdiges Theatererlebnis, das durch eine mehr als großzügige Unterstützung der Barmer Ersatzkasse und der AOK ermöglicht wurde.


Uwe Grünhäuser